Nachbarrechtsgesetz: Rückschnitt von Hecken

Wachstum nicht vorhersehbar: Die Pflicht zum vorsorglichen Rückschnitt von Hecken ist verneint worden

Nachbarschaftsstreitigkeiten sind oft eine „Grenzerfahrung“. Regelungen zu nachbarschaftlichen Grenzabständen finden sich so zum Beispiel meist – wer hätte es gedacht – in den Nachbarschaftsgesetzen der Bundesländer. Doch so wie alles Gesunde wachsen muss, so verhält es sich auch mit manchen Grenzen in Form von Sträuchern und Hecken. Was passiert, wenn diese sich in ihrem natürlichen Trieb nicht an Nachbarschaftsgesetze halten wollen, musste nun in Baden-Württemberg entschieden werden.

Ein Mann meinte, die Hecke seines Nachbarn dürfe die nach dem Baden-Württembergischen Nachbarrechtsgesetz zulässige Höhe von 1,80 m ganzjährig nicht über- und den Abstand von 0,5 m nicht unterschreiten. Doch sein Nachbar war da anderer Auffassung. Dieser meinte, dass er zwischen März und Ende September nicht zum Rückschnitt verpflichtet sei. Und auch das Gericht urteilte, dass es nach dem Nachbarrechtsgesetz keine Verpflichtung zu Form- oder Pflegeschnitten in der Vegetationsperiode gibt.

Ebenso wenig ist der Nachbar verpflichtet, durch einen vorsorglichen Rückschnitt unter den Grenzwert während der Wintermonate sicherzustellen, dass die zulässige Höhe nicht überschritten wird. Denn neben den rechtlichen Erwägungen müsste der Nachbar dafür vorhersehen können, wie die Hecke im Laufe des Jahres wachsen wird.

Hinweis: Es handelt sich um ein sehr praxisnahes Urteil. Nachbarn sind demnach nicht verpflichtet, ihre Hecke im Zeitraum von Oktober bis Ende Februar so weit zurückzuschneiden, dass sie innerhalb der gesetzlich geschützten Wachstumsperiode von März bis Ende September die maximal zulässige Höhe nicht überschreiten kann. Anders wird es doch auch in der Praxis gar nicht gehen.

Quelle: LG Freiburg, Urt. v. 07.12.2017 – 3 S 171/16
Bildnachweis: shutterstock.com, Bildnummer: 630013112, Urheberrecht: nikolaborovic

Ähnliche Beiträge, die Sie auch interessieren könnten

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Steuerabzugsfähige Wohnkosten: Mieter haben einen Anspruch auf Aufschlüsselung haushaltsnaher Dienstleistungen Haushaltsnahe Dienstleistungen können von Mietern bei der Einkommensteuer in Abzug gebracht werden. Und  […]

Beitrag lesen

Betriebskosten bei Wohneigentum

Vereinbarte Jahresfristen müssen auch bei ausstehendem WEG-Beschluss eingehalten werden. Besonders ärgerlich ist es für den Vermieter, wenn der Verwalter einer Wohnungseigentumsanlage die Betriebskosten  […]

Beitrag lesen

Wohnungseigentümergesellschaft muss nicht alle Baumaßnahmen dulden

Gravierende bauliche Veränderungen einer Wohnungseigentumsanlage müssen gemeinschaftlich beschlossen werden. Der Eigentümer einer im fünften Stock liegenden Wohnung pflegte mit seiner Ehefrau die gemeinsame,  […]

Beitrag lesen
© 2018 Schwäbische BauBoden Immobilien – Entwicklung · Kauf & Verkauf · Vermietung